the.drop KW 30
Bourouissa macht aus zwölf Menschen ein Album
Der Fotokünstler Mohamed Bourouissa veröffentlicht auf PAN sein erstes Album. Jeder Track trägt die Initialen einer Person aus seinem Leben.
Albumcover, Mohamed Bourouissa / PAN — als Bildzitat zur Besprechung
- Artist
- Mohamed Bourouissa
- Release
- LILA
- Label
- PAN
- Veröffentlichung
- Genre
- Electronic · Experimental
- Tracks
- 12
as.if. Wertung 4,0/ 5
Inhalt
Mohamed Bourouissa veröffentlichte am 24. Juli 2026 sein Debütalbum LILA über das Berliner Label PAN. Die zwölf Stücke sind nach Menschen aus dem Umfeld des Künstlers benannt, meist nur mit Initialen. as.if.records bewertet das Album mit 4,0 von 5 — die bislang konsequenteste Übersetzung von Bourouissas Fotoarbeit in Klang.
Ein Fotokünstler, der im Palais de Tokyo ausstellt, veröffentlicht eine Platte auf PAN. Das klingt erst mal nach Kunstbetrieb, der sich im fremden Revier versucht. Nach zwei Minuten ist der Verdacht weg.
LILA ist das erste Album von Mohamed Bourouissa, erschienen am 24. Juli 2026 auf dem Berliner Label PAN. Zwölf Stücke, jedes benannt nach einem Menschen aus dem Leben des Künstlers, die meisten nur mit Initialen.
Wer ist Mohamed Bourouissa?
Mohamed Bourouissa wurde 1978 in Algerien geboren und lebt in Paris. Bekannt wurde Bourouissa mit Fotoserien über Machtverhältnisse am Rand französischer Städte: Périphérique zwischen 2005 und 2009, Temps mort ab 2008. 2020 ging der Deutsche Börse Photography Foundation Prize an Bourouissa, auf der Shortlist des Prix Marcel Duchamp stand der Künstler zweimal, 2014 und 2018.
Ton gehört seit über zehn Jahren zu dieser Arbeit. Si Di Kubi erschien 2017, das Sounddesign entstand mehrfach zusammen mit Jordan Quiqueret. Neu an LILA ist nur, dass die Musik diesmal für sich allein steht und nicht als Begleitmaterial zu einer Ausstellung.
Zwölf Stücke, zwölf Namen
Die Titelliste liest sich wie ein Adressbuch, aus dem jemand die Nachnamen gestrichen hat: HFC, MG, FZB, NMB, AF, MN, JQ, AB. Dazwischen stehen zwei ausgeschriebene Ausnahmen, SEUM und der Titeltrack LILA. Vorn ein Intro, hinten ein Outro, wie bei einem Mixtape.
Vier Gäste sind dabei, und keiner davon steht da wegen der Reichweite. Le Diouck singt auf MG, LION auf NMB, Assounta auf AF, und die italienische Musikerin Valentina Fanigliulo, die als Mushy arbeitet, auf dem Titelstück. Es sind Leute aus dem Umfeld, nicht vom Markt.
- Erschienen
- 24. Juli 2026
- Label
- PAN
- Umfang
- 12 Stücke
- Gäste
- Le Diouck, LION, Assounta, Mushy
Wie klingt das?
Gewichtslose Synthesizer, Stimmen unter dickem Autotune, Beats, die auf halber Strecke die Orientierung verlieren. Wer PAN kennt, kennt diese Bauweise: Bill Kouligas veröffentlicht auf dem Label seit 2008 elektronische Musik, die lieber Räume baut als Stücke. LILA fügt sich da ohne Reibung ein und bleibt trotzdem erkennbar von jemandem, der sonst mit der Kamera arbeitet.
Surrealist electronic music with the haunted, labyrinthine feel of the Backrooms.
Zoe Camp, Bandcamp Daily, 24. Juli 2026
Bourouissa selbst spricht von einem Vektor aus Geschichte und Erinnerung, die manchmal traumatisch sei. Das ist eine große Ansage für eine Platte, die über weite Strecken flüstert. Sie hält sie trotzdem, weil nichts hier illustriert. Die Stücke behaupten nicht, von jemandem zu handeln — sie sind nach jemandem benannt, und der Unterschied ist hörbar.
Das Cover erklärt die Platte
Auf dem Cover reitet ein junger Mann in grünem T-Shirt auf einem weißen Pferd eine Betontreppe hinauf. Dahinter ein Maschendrahtzaun, eine Grasböschung, harter Mittagsschatten. Das Motiv gehört in die Bildwelt von Horse Day, Bourouissas Arbeit mit Reitern aus North Philadelphia zwischen 2013 und 2017.
Wer das für Dekoration hält, verpasst den Punkt. Auf dem Foto ist ein Tier an einem Ort, an dem es nach Stadtplanung nicht vorgesehen ist, und genau das machen die zwölf Stücke mit ihren Klängen. LILA ist dieselbe Arbeit mit anderen Mitteln.
Lohnt sich das?
Ja, und zwar auch für Leute, die mit dem Kunstbetrieb nichts am Hut haben. LILA braucht keine Fußnote und keinen Ausstellungskatalog, um zu funktionieren. Ein halber Punkt Abzug geht dafür, dass die Platte im letzten Drittel etwas zu lange in derselben Temperatur bleibt. Wer Actress, Klein oder Dean Blunt hört, ist hier sofort zu Hause.
- Highlight
- LILA feat. Mushy
- Für Fans von
- Actress · Klein · Dean Blunt
Recherchiert mit KI-Werkzeugen, redaktionell verantwortet von as.if.records. Wie das läuft
Wir sind ein kleines Team und machen trotzdem jeden Tag Journal. Das geht, weil Werkzeuge die Fleißarbeit übernehmen: Quellen durchgehen, Zahlen gegenprüfen, Rohfassungen bauen.
Was die Werkzeuge nicht machen: entscheiden, worüber wir schreiben, wie wir eine Platte finden und was am Ende rausgeht. Das bleibt in der Redaktion. Bilder von echten Menschen sind echte Fotos, nie generiert.

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