Nick Hakim — I Can See
Fünf Jahre Arbeit an zwölf Stücken, die sich nicht in die Mitte stellen wollen.
Albumcover, Nick Hakim / Earseed Records, als Bildzitat zur Besprechung. Quelle: Apple Music
- Artist
- Nick Hakim
- Release
- I Can See
- Label
- Earseed Records
- Veröffentlichung
- Genre
- Neo-Soul · R&B · Art-Pop
- Tracks
- 12
as.if. Wertung 4,0/ 5
Inhalt
Nick Hakim veröffentlichte am 24. Juli 2026 sein Album I Can See auf dem eigenen Label Earseed Records, produziert mit Andrew Sarlo. Zwölf Stücke, 62 Minuten, kein Titel unter vier Minuten, fünf Jahre Arbeit. Stereogum machte es zum Album der Woche, Far Out gab vier von fünf Punkten. Erstes Album seit Cometa von 2022. Unsere Wertung: 4 von 5.
Nick Hakim hat am 24. Juli 2026 I Can See veröffentlicht, sein erstes Album seit Cometa vom 21. Oktober 2022. Zwölf Stücke, 62 Minuten, und kein einziges davon bleibt unter vier Minuten. Erschienen ist die Platte auf Hakims eigenem Label Earseed Records, im Vertrieb von Stem. Produziert hat Hakim gemeinsam mit Andrew Sarlo.
Das ist kein Soul-Album im gewohnten Sinn
Wer warme Orgeln und eine Stimme in der Mitte erwartet, liegt daneben. Die Stimme steht auf I Can See selten vorn. Sie liegt in den Spuren, mehrfach übereinandergelegt, oft kaum über Flüsterlautstärke, und der Raum um sie herum trägt mehr Gewicht als die Melodie. Chris DeVille hat das bei Stereogum auf eine Formel gebracht, die besser sitzt als jede Genre-Zuschreibung.
Theoretically, Nick Hakim makes soul music, but it's more like visiting spirit music.
Chris DeVille, Stereogum, 21. Juli 2026
Aufgenommen wurde auf der Sonic Ranch in Texas, in mehreren New Yorker Studios und zu Hause. Am Anfang standen Schlafzimmer-Demos, an denen Hakim fünf Jahre weitergebaut hat, ohne ihnen die Enge zu nehmen. Darin liegt die eigentliche Leistung: Die Platte klingt aufwendig und privat zugleich. An den Trommeln sitzen Vishal Nayak und Abe Rounds, am Bass Kyle Miles, an Klavier und Orgel Jake Sherman.
Wo die Platte am stärksten wird
"The Reason" ist mit 6:57 das längste Stück und der Punkt, an dem sich das Album entscheidet. Lauren Hunter hat es bei Far Out Magazine zum Höhepunkt erklärt und der Platte am 23. Juli 2026 vier von fünf Punkten gegeben. Auf genau diesem Titel singen Moses Sumney und June McDoom mit. In den Autorencredits stehen zwei Einträge für Julian Pratt von der Hardcore-Band Show Me The Body, einer davon neben dem Namen Arto Lindsay, was eine Linie zurück in den New Yorker No Wave zieht.
Schwach wird I Can See dort, wo die Laufzeit sich rächt. 62 Minuten in diesem Tempo verlangen Geduld, und im Mittelteil zwischen "U Can Make It" und "Inwego" verschwimmen die Stücke ineinander. Das ist der Preis einer Platte, die auf Textur setzt statt auf Refrains. Wer Hakim schon mag, hält das aus. Wer neu dazukommt, sollte nicht bei Titel eins anfangen, sondern bei "The Reason".
Zurück auf dem eigenen Label
2014 kamen die beiden EPs Where Will We Go, Pt. 1 und Pt. 2 auf Earseed Records heraus, Hakims eigener Marke. Die drei Alben danach liefen über ATO Records: Green Twins (2017), WILL THIS MAKE ME GOOD (2020) und Cometa (2022). Mit I Can See steht wieder Earseed auf der Platte, den Vertrieb übernimmt Stem. Zwölf Jahre und drei Alben über ein fremdes Haus später ist Hakim also dort, wo er angefangen hat.
Das Cover
Das Artwork zeigt Hakim in körnigem Schwarzweiß, wie von einem alten Abzug: dunkles Gewand, der Blick zur Seite, die Augen so tief im Schatten, dass an ihrer Stelle zwei Löcher stehen. Wo die Brust wäre, liegt ein Streifen sonnenbeschienenes Wasser, kleine Wellen, hell gegen das Schwarz. Zu den Titeln "River Rising" und "Water" passt dieses Bild besser als jeder Pressetext, und es sagt über den Klang der Platte mehr aus.
- Erschienen
- 24. Juli 2026
- Label
- Earseed Records, Vertrieb Stem
- Umfang
- 12 Stücke, 62 Minuten
- Produktion
- Nick Hakim und Andrew Sarlo
- Vorgänger
- Cometa, 21. Oktober 2022
- Highlight
- The Reason
- Für Fans von
- How To Dress Well · Moses Sumney · Blood Orange
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