the.drop kw16 — Ware schließt die Trilogie, Joseph bricht das Schweigen, Humberstone räumt ihr Zimmer
Jessie Ware schließt ihre Disco-Trilogie ab, Wesley Joseph liefert sein filmisches Debüt, und Holly Humberstone packt ihr Elternhaus in Songs.

Drei Alben lang hat Jessie Ware eine Disco-Fantasie gebaut, die nach Studio 54 und späten Abenden riecht. Mit „Superbloom“ lässt sie zum ersten Mal das echte Leben rein.
James Ford, Stuart Price und Karma Kid teilen sich die Produktion, und das hört man: „Superbloom“ wechselt zwischen String-gesättigten Disco-Nummern und intimen Momenten, die fast nach Ballade klingen. „Automatic“ ist der Track, den man seit Wochen nicht mehr loswird — ein Groove, der sich festsetzt wie ein guter Ohrwurm. „Sauna“ überrascht mit einer Langsamkeit, die Ware selten zulässt, während „Don’t You Know Who I Am?“ genau die Selbstironie liefert, die das Album braucht. Dreizehn Tracks, keiner davon Füller. Ware singt über Berührung, Intimität und die Frage, ob man mit Mitte Dreißig noch so tanzen darf wie mit Zwanzig. Die Antwort ist ein klares Ja.
Highlight
Automatic
Für Fans von
Robyn, Roisin Murphy, Kylie Minogue, Dua Lipa
Wesley Joseph
Forever Ends Someday
Leftfield R&B / Electronic · Secretly Canadian · VÖ: 10.04.
4.0
/5
Drei Jahre Stille, dann dreizehn Tracks, die klingen, als hätte Wesley Joseph in der Zwischenzeit jeden Film noir und jede Soul-Platte gleichzeitig aufgesogen.
Joseph produziert, singt, rappt und führt Regie bei seinen Videos. Das klingt nach zu viel, ist es aber nicht. „Peace of Mind“ mit Danny Brown ist ein Bass-lastiger Ausbruch, der zeigt, dass Joseph auch laut kann. „July“ mit Jorja Smith funktioniert als das genaue Gegenteil: leise, heimatverbunden, aufgenommen in Walsall, wo beide herkommen. Dazwischen liegt ein Album, das sich weigert, in eine Schublade zu passen. Die Produktion ist filmisch ohne kitschig zu werden, die Arrangements atmen, und Josephs Stimme wechselt zwischen Gesang und Spoken Word, als gäbe es keinen Unterschied. Ein Debüt, das sich anfühlt wie ein drittes Album.
Highlight
July (feat. Jorja Smith)
Für Fans von
Sampha, Jorja Smith, James Blake, Loyle Carner
Holly Humberstone
Cruel World
Indie / Alt-Pop · Polydor · VÖ: 10.04.
4.0
/5
Holly Humberstone musste ihr Elternhaus räumen und hat daraus ein Album gemacht, das zwischen Sommerfahrt-Euphorie und stillem Abschied pendelt.
„Cruel World“ beginnt mit „Make It All Better“, und der Titel ist Programm: Humberstone versucht auf dem ganzen Album, Dinge zusammenzuhalten, die auseinanderfallen. „To Love Somebody“ ist für Haare-aus-dem-Fenster-Fahrten gebaut, mit einem Refrain, den man nach dem zweiten Hören mitsingt. „Lucy“ dagegen ist fast flüsternd — eine akustische Zusicherung an junge Frauen, die sich ihren Platz in der Welt erst noch suchen müssen. Die Produktion bleibt nah dran, nie überladen. Humberstone hat auf dem Debüt bewiesen, dass sie Songs schreiben kann. Hier beweist sie, dass sie ein Album bauen kann.
Highlight
Lucy
Für Fans von
Phoebe Bridgers, Gracie Abrams, Lorde, Clairo
Songs der Woche
Jessie Ware
Automatic
Aus: Superbloom · EMI · VÖ: 27.03.
Die dritte Single von „Superbloom“, und die, die am längsten hängenbleibt. Ware über einem Groove, der irgendwo zwischen Donna Summer und Jessie-Ware-circa-2020 liegt. James Ford an den Reglern, und man hört jede Entscheidung. Ein Refrain, der sich anfühlt wie ein Versprechen.
Wesley Joseph feat. Jorja Smith
July
Aus: Forever Ends Someday · Secretly Canadian · VÖ: 10.04.
Zwei Stimmen aus Walsall auf einem Track, der nach Heimkommen klingt. Joseph und Smith singen sich gegenseitig etwas zu, das halb Erinnerung, halb Gebet ist. Die Produktion bleibt im Hintergrund, und genau das macht den Song stark.
Holly Humberstone
To Love Somebody
Aus: Cruel World · Polydor · VÖ: 10.04.
Der Song, der „Cruel World“ definiert: Coming-of-Age mit gerufenen Refrains und der Erkenntnis, dass Liebe und Verlust dasselbe Ticket haben. Humberstone klingt befreit, die Gitarren treiben, und das Ganze hat eine Leichtigkeit, die dem Album sonst manchmal fehlt.
Radar
Upsammy & Valentina Magaletti — Seismo
Electronic / Experimental · PAN
Entstanden als Auftragsarbeit fürs Amsterdamer Rijksmuseum: Percussion-Improvisationen in den Museumssälen, später in elektroakustische Miniaturen geschnitten. Acht Tracks, die nach Raum und Bewegung klingen.
Joe Jackson — Hope and Fury
LatinJazzFunkRock · Edel
Jacksons 22. Studioalbum, das er selbst als „Bicoastal LatinJazzFunkRock“ beschreibt. Neun Songs zwischen Big-City-Sophistication und afro-kubanischem Jazz. „I’m Not Sorry“ ist das Unkomplizierteste, das Jackson seit Jahren abgeliefert hat.
Son Mieux — 24 Hours
Indie Pop · TopNotch
Sechzehn Songs, gedacht als emotionale Reise durch einen ganzen Tag. Das niederländische Septett feierte den Release mit einem 24-Stunden-Event in Amsterdam. Ambitioniert, manchmal zu breit, aber wenn es zündet, dann richtig.
Snoop Dogg — 10 Til' Midnight
G-Funk / Hip-Hop · Death Row
Album Nummer 22, produziert u.a. von Pharrell, Swizz Beatz und Rick Rock. Snoop nennt es ein Album über Entscheidungen um Mitternacht. Der G-Funk sitzt, die Features überzeugen nicht durchgehend.
Bryan Ferry Orchestra — The Jazz Age / Bitter-Sweet (Reissues)
Jazz / Orchestral · BMG
Ferrys zwei Orchester-Alben (2012, 2018) auf farbigem Vinyl wiederveröffentlicht. Roxy-Music- und Solo-Katalog im Weimarer-Cabaret-Gewand. Kein neues Material, aber „Bitter-Sweet“ klingt auf Vinyl besser als auf jeder Streaming-Plattform.
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Jessie Ware — „Ride“
Die zweite Single von „Superbloom“ läuft auf as.if.radio seit dieser Woche. Ein Disco-Track, der morgens um sieben genauso funktioniert wie nachts um drei. Ware in Bestform, ohne je laut werden zu müssen.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds






Hinterlasse einen Kommentar
Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.