the.drop kw17 — Younge vertont Unsichtbares, Tiga steht unter Strom, Bey singt über Treue
Adrian Younge legt sein Lebenswerk vor, und es klingt wie der Soundtrack zu einem Film, den noch niemand gedreht hat. Tiga meldet sich nach zehn Jahren Solo-Pause mit einem Album zurück, das Electroclash und Minimaltechno so zusammenpresst, als gäbe es keinen Unterschied. Und Yaya Bey singt über Treue, Trauer und das Schwarzsein in Amerika, als würde sie dabei auf einer Veranda in Brooklyn sitzen und die Sonne geht gerade unter.
Dreissig Jazz-Is-Dead-Platten mit Ali Shaheed Muhammad, dazu Scores, Compilations und Labelarbeit. Jetzt legt Adrian Younge sein selbstbetiteltes Album vor, und es ist das persönlichste Stück Musik, das er je aufgenommen hat.
Neun Tracks, sechsundzwanzig Minuten, komplett auf Tape eingespielt. „Younge“ klingt wie eine Begegnung zwischen Lalo Schifrin und J Dilla in einem abgedunkelten Studio in Los Angeles. Streicher, die nicht schmücken, sondern erzählen. Bläser, die Raum lassen. Drums, die swingen und trotzdem nach Boom-Bap riechen. „Moon Traveling“ ist pures Kopfkino, „Human Absence“ baut Spannung auf, ohne sie je aufzulösen, und „Galt“ hat einen Groove, der sich anfühlt wie ein langsames Nicken. Younge dirigiert, produziert und arrangiert alles selbst, und genau diese Kontrolle macht die Platte so dicht. Kein Track zu viel, kein Ton zu viel. Ein Album, das mit jedem Hören eine neue Schicht freigibt.
Highlight
Moon Traveling
Für Fans von
David Axelrod, Madlib, Ennio Morricone, Suff Daddy
Tiga
Hotlife
Electro / Techno · Secret City Records · VÖ: 17.04.
4.0/5
Zehn Jahre seit dem letzten Solo-Album, und Tiga klingt, als hätte er die ganze Zeit unter Strom gestanden.
„Hotlife“ versammelt alles, was Tiga ausmacht: schroffer Electroclash neben Minimaltechno, Humor neben Härte. „Hotwife“ mit Boys Noize klingt wie Daft Punk nach einer durchzechten Nacht in Montreal. „Friction“ mit Maara hat den Attitude von Soft Cell, nur dass die Maschinen hier schneller laufen. Ein INXS-Cover von „Need You Tonight“ funktioniert besser, als es sollte. Dazwischen „I am your Detroit Sunrise“, ein Stück reiner Plastikman-Minimalismus, das zeigt, dass Tiga auch leise kann. Matthew Dear, Paranoid London und Fcukers sind ebenfalls dabei. Zwölf Tracks, keiner unter drei Minuten, und alle gebaut für eine Tanzfläche, die es noch nicht gibt.
Highlight
Friction (feat. Maara)
Für Fans von
Boys Noize, Daft Punk, Soft Cell, Matthew Dear
Yaya Bey
Fidelity
Neo-Soul / R&B · Drink Sum Wtr · VÖ: 17.04.
4.0/5
Nach „do it afraid“ im letzten Sommer legt Yaya Bey nach, und „Fidelity“ klingt wie die stillere, nachdenklichere Schwester.
Wo „do it afraid“ noch Optimismus suchte, geht „Fidelity“ tiefer. Bey singt über Trauer, Identität und die Frage, was es heisst, als Schwarze Künstlerin Kunst zu machen, wenn der eigene Schmerz zur Ware wird. Die Produktion greift R&B-Sounds der 2000er auf, bleibt aber in den Mitten und Bässen, weich und warm statt poliert. Jazz-Einsprengsel, ein Hauch Reggae, dazu Beys Stimme, die zwischen Gesang und Spoken Word wechselt. „Blue“ war die Vorab-Single und bleibt der Ankerpunkt. Ein Album, das nicht laut wird, aber lange nachklingt.
Highlight
Blue
Für Fans von
Erykah Badu, Solange, Sade, Noname
Songs der Woche
Tiga feat. Maara
Friction
Aus: Hotlife · Secret City Records · VÖ: 17.04.
Maara singt mit einer Attitüde, die an Alison Moyet erinnert, während Tiga darunter einen Beat baut, der gleichzeitig retro und gegenwärtig klingt. Electroclash 2026, ohne Ironie, ohne Entschuldigung. Der Track, der „Hotlife“ zusammenhält.
Yaya Bey
Blue
Aus: Fidelity · Drink Sum Wtr · VÖ: März 2026
Die Vorab-Single von „Fidelity“ fängt ein, was das ganze Album ausmacht: ein ruhiger Beat, Beys Stimme knapp über dem Mix, und ein Text, der mehr Fragen stellt als Antworten gibt. Soul, der klingt, als würde er sich an etwas erinnern.
M.I.A.
Everything
Aus: M.I.7 · Ohmni Music · VÖ: 17.04.
M.I.A. macht jetzt Gospel, und „Everything“ klingt tatsächlich nach einem Gebet, das auf einem Dancefloor gelandet ist. Der Sunday Service Chor im Hintergrund, eine Melodie, die sich festsetzt, und Lyrics über Segen statt Widerstand. Ob das Konzept ein ganzes Album trägt, muss sich zeigen. Dieser Track funktioniert.
Radar
Hollie Cook — Shy Girl
Lovers Rock / Reggae · Mr Bongo
Fünftes Album, und Cook bleibt ihrer Lovers-Rock-Linie treu. Zwölf analoge Reggae-Kompositionen, warm und weich, produziert von Ben McKone. Dazu erscheint heute die Dub-Version „Shy Girl In Dub!“ als Record-Store-Day-Release.
★★★★
M.I.A. — M.I.7
Gospel / Experimental · Ohmni Music
Siebtes Album, aufgenommen in sieben Tagen an sieben Orten. M.I.A. nennt es ein Gospel-Album, inspiriert von der Offenbarung des Johannes. Sechzehn Tracks, der Sunday Service Chor, und eine Richtungsänderung, die polarisieren wird.
★★★½
Vanessa Carlton — Veils
Alt-Pop · Dine Alone (prod. Dave Fridmann)
Siebtes Studioalbum, produziert von Dave Fridmann, der sonst MGMT und Flaming Lips betreut. Zehn Songs, die nach Reife klingen und wenig mit der „A Thousand Miles“-Carlton gemein haben. „Animal“ und „Great House“ als Vorab-Singles.
★★★½
They Might Be Giants — The World Is to Dig
Alt-Rock / Indie · Idlewild
Vierundzwanzigstes Studioalbum, und die beiden Johns klingen immer noch, als hätten sie Spass. „Wu-Tang“ und „Outside Brain“ zeigen, dass Exzentrik und Songwriting sich nicht ausschliessen. Manche Tracks driften ab, aber die guten könnten auch auf den frühen Platten stehen.
★★★½
Otoboke Beaver — Is The New Album Out Yet?
Punk / Noise · Damnably
Vier Jahre Pause, dann eine Maxi-Single, die in unter acht Minuten mehr Energie verbraucht als manches Doppelalbum. „I Don’t Need To Be In Your Strike Zone“ ist Otoboke Beaver in Reinform: Kansai-Dialekt, Tempo-Wechsel, kontrolliertes Chaos.
★★★½
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Adrian Younge — „Moon Traveling“
Zwei Minuten, zweiundzwanzig Sekunden Kopfkino. Streicher, die schweben, ein Beat, der kaum da ist, und eine Melodie, die klingt wie der Moment zwischen Wachsein und Einschlafen. Läuft seit dieser Woche auf as.if.radio, und passt um jede Uhrzeit.
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