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the.drop kw25 — Lu verwandelt Trauer in Klang, La Sécurité zerren den Punk auf die Tanzfläche, Horse Lords finden ihre Stimme

Kelsey Lu liefert nach sieben Jahren ein Album, das zwischen Andacht und Verzweiflung pendelt. La Sécurité machen Art-Punk zum Tanzflächenvergnügen. Und Horse Lords führen erstmals Gesang ein.

Kelsey Lu — So Help Me God
Kelsey Lu — So Help Me God

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Album der Woche

Kelsey Lu

So Help Me God
Dirty Hit
4.5 /5
Sieben Jahre nach ihrem Debüt Blood liefert die in Los Angeles lebende Cellistin und Sängerin ein Album ab, das klingt, als hätte jemand eine Kathedrale in ein Tonstudio gezogen.
So Help Me God ist zehn Tracks lang und fühlt sich an wie ein einziger Atemzug. Lu hat mit Jack Antonoff und Yves Rothman produziert, dazu Sampha, Kamasi Washington und Kim Gordon ans Mikrofon geholt. Der Opener Reaper schwebt über achteinhalb Minuten, getragen von Saxophon und Klavier, während Lu mit einer Stimme singt, die zwischen Andacht und Verzweiflung pendelt. Das ist keine Platte, die gefallen will. Sie will verstanden werden. Die Gitarren verzerren sich, Chöre schwellen an, elektronische Pulse laufen dunkel darunter her. Und mittendrin Lus Cello, das alles zusammenhält. Better Than That, der Track mit Sampha, ist der Moment, in dem das Album kurz die Faust öffnet und etwas Wärme durchlässt. Das Ganze ist koproduziert, nicht zusammengestückelt — man hört, dass diese Leute im selben Raum waren.
Highlight
Reaper
Für Fans von
FKA twigs, Sampha, Björk, Solange

La Sécurité

Bingo!
Bella Union / Mothland
4 /5
Das Montréaler Kollektiv macht auf seinem zweiten Album genau da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat: laut, zweisprachig und mit einem Bass, der die Songs anführt statt sie zu tragen.
Bingo! klingt nach einem Proberaum, in dem alle gleichzeitig die beste Idee ihres Lebens hatten. La Sécurité mischen Art-Punk mit No Wave, Shoegaze und einer Prise Devo, ohne dass es nach Referenz-Bingo klingt. Der Bass ist das Leittier — er diktiert Richtung und Tempo, während Gitarren und Drums sich darum wickeln. Die Songs sind kurz, direkt und haben mehr Hooks als ihre Laufzeit vermuten lässt. Dodecahedron kippt mitten im Refrain die Tonart und kommt damit durch. Das Album ist Chaos mit Haltung, und es macht verdammt viel Spass.
Highlight
Dodecahedron
Für Fans von
Squid, Devo, Talking Heads, Dry Cleaning

Horse Lords

Demand to Be Taken to Heaven Alive!
RVNG Intl.
4 /5
Die Experimentalisten aus Baltimore führen erstmals Gesang in ihre Musik ein und finden darin nicht weniger, sondern mehr Komplexität.
Horse Lords machen seit über einem Jahrzehnt Musik, die gleichzeitig berechnet und lebendig klingt. Auf Demand to Be Taken to Heaven Alive! kommt jetzt die menschliche Stimme dazu — nicht als Melodieträgerin, sondern als weiteres Instrument im polyrhythmischen Geflecht. Nina Guo und Evelyn Saylor singen, summen und deklamieren zwischen Bläsersätzen, motorischem Schlagzeug und Gitarrenmustern, die sich wie Moiré-Effekte überlagern. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Krautrock, Post-Punk und elektronischer Tanzmusik, ohne in einer dieser Schubladen zu landen. Zwölf Stücke, jedes davon ein eigener Raum.
Highlight
Brain of the Firm
Für Fans von
Can, Tortoise, This Heat, Deerhoof
Songs der Woche
Sylvan Esso
Hot Slob
Erste Single 2026 · Psychic Hotline
Sylvan Esso melden sich mit einer Single zurück, die klingt, als hätte jemand Glitch-Pop in einen Mixer geworfen und auf Puls gedrückt. Amelia Meath singt über TJ Maianis Drums (bekannt von Weyes Blood) und Jenn Wasner von Flock of Dimes steigt mit ein. Drei Minuten kontrolliertes Durchdrehen, die laut Band einen ganzen Sommer ankündigen.
Open Mike Eagle & Kenny Segal feat. Hemlock Ernst
Unfinished Concrete Initials
Vorab-Single von Doomed! · Backwoodz Studioz
Der schärfste Rapper des Underground tut sich endlich mit seinem langjährigen Produzenten für ein ganzes Album zusammen. Die erste Single klingt, als hätte jemand einen Beat aus Beton gegossen — sparsam, hypnotisch, mit einem Vocal-Sample, das sich im Kreis dreht. Hemlock Ernst, aka Samuel T. Herring von Future Islands, liefert eine Gaststrophe, die den Track öffnet wie ein Fenster in einem Bunker.
Olivia Rodrigo feat. Robert Smith
what's wrong with me
Von You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love · Geffen
Rodrigo lässt auf ihrem dritten Album die Pop-Punk-Gitarren stehen und bewegt sich in Richtung 80er-Dream-Pop und New Wave. what's wrong with me ist der Beweis: Robert Smith steigt in der zweiten Strophe ein, singt aus derselben Perspektive wie Rodrigo, und plötzlich klingt der grösste Popstar der Generation Z wie eine Cure-B-Seite. Nicht ironisch. Nicht als Zitat. Einfach als guter Song.
Radar
CFCF — L.U.V. (Life in Ultra Violet)
Electroclash / Eurodance
Mike Silvers erstes Album seit fünf Jahren klingt wie eine Zeitreise ins Electroclash-Berlin von 2003. Stuart Price, Moroder, Felix da Housecat als Koordinaten — und es funktioniert.
★★★★
Fruit Bats — The Landfill
Indie Folk / Soul
Eric D. Johnson wird fünfzig und hat dazu das wärmste Fruit-Bats-Album seit Jahren aufgenommen. Live im Studio eingespielt, zwischen Folk, Soul und Pianobarden. Silverfish in the Sink ist der stille Höhepunkt.
★★★★
Ambrose Akinmusire & Mary Halvorson — Slo-Mo Neon Luminate Hoverings
Jazz / Experimental Duo
Trompete trifft Gitarre, beide mit Effektpedalen, aufgenommen in einer einzigen Session bei Sear Sound in New York. Ambient-Jazz, der ruht, ohne stehenzubleiben.
★★★★
Joan As Police Woman — Real Life Evolution
Art-Pop / Singer-Songwriter
Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt Real Life hat Joan Wasser alle zehn Songs neu aufgenommen — mit Iggy Pop als Gast und dem Bewusstsein von zwei Dekaden Bühne im Rücken.
★★★½
Big Brave — in grief or in hope
Drone / Noise / Experimental
Kein Schlagzeug, nur Gitarren, Feedback und Stimme. Big Brave reduzieren auf ihrem neunten Album radikal — und finden in der Leere mehr Melodie als je zuvor.
★★★★
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
CFCF — „Let's Kill Ourselves“
Electroclash lebt. Mike Silver nimmt einen Ponys-Song, dreht ihn durch die Maschine und heraus kommt ein Track, der klingt wie ein vergessener Dancefloor-Hit aus dem frühen Berlin der Nullerjahre. Featuring Touching Ice und TECHG1RLS aus Miami.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds
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