Cold Brew Negroni selber machen — bitter, röstig, anders
Cold Brew Negroni mit Schwarzes Gold Kaffeelikör statt Wermut. Bitter, röstig, mit Orangenzeste. Rezept und Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Ein Negroni gehört zu den Drinks, bei denen man sich fragt, warum so wenige Zutaten so viel Komplexität erzeugen. Gin, Campari, Wermut, zu gleichen Teilen, fertig. Der Cold Brew Negroni ersetzt den süßen Wermut durch Kaffeelikör und tauscht damit die Kräuternoten gegen Röstnoten. Was bleibt, ist die Bitterkeit vom Campari und eine Tiefe, die der klassische Negroni in dieser Form nicht hat.
Die Idee, Kaffee in einen Negroni zu bringen, ist nicht neu. Coffee Negronis tauchen seit ein paar Jahren in Spezialbars auf, meistens mit einem Schuss Espresso oder Cold Brew direkt ins Rührglas. Das Problem dabei: Espresso bringt Säure mit, die den Campari überlagert, und Cold Brew verwässert den Drink. Die Variante mit Kaffeelikör statt Wermut löst beides, weil der Likör Konzentration und Süße mitbringt, ohne das Volumen zu sprengen.
Wir nehmen Schwarzes Gold, einen Coldbrew-Likör vom Kölner Schnapskartell. Der bringt 13 Gramm Zucker pro 100 ml mit, deutlich weniger als süßer Wermut (der liegt bei etwa 14 bis 16 Gramm) und weit weniger als Kahlúa mit seinen 44 Gramm. Das heißt: Der Campari kann atmen. Seine Bitterkeit wird nicht in Zucker ertränkt, sondern durch die Röstnoten des Kaffees ergänzt. Das Ergebnis ist ein Drink, der bitterer schmeckt als die meisten Kaffeecocktails und kaffeeiger als die meisten Bitterdrinks.
Was du über die Zutaten wissen musst
Beim Gin zählt der Charakter. Ein London Dry wie Tanqueray oder Beefeater bringt genug Wacholder mit, um gegen Campari und Kaffee bestehen zu können. Blumige oder fruchtige Gins verschwinden in diesem Drink. Sie gehen nicht unter, weil sie schlecht wären, sondern weil Campari und Kaffeelikör zusammen lauter sind als jede Lavendelblüte.
Campari ist Campari, da gibt es wenig Spielraum. Wer die Bitterkeit etwas abmildern will, kann Aperol nehmen, aber dann ist es ein anderer Drink. Campari gibt dem Cold Brew Negroni seine Kante, und diese Kante ist der ganze Punkt. Ohne sie hat man einen Kaffeecocktail mit Gin, und davon gibt es schon genug.
Das Schwarzes Gold übernimmt die Rolle des süßen Wermuts. In einem klassischen Negroni sorgt der Wermut für Süße und Kräuterkomplexität. Der Kaffeelikör liefert die Süße in abgemilderter Form und ersetzt die Kräuternoten durch Röstnoten. Die 24-Stunden-Coldbrew-Basis aus Van-Dyck-Bohnen kommt ohne die Säure von heißem Kaffee, deshalb integriert sich der Likör sauber, statt den Drink zu überladen.
Zubereitung: Schritt für Schritt
Der Cold Brew Negroni wird gerührt, nicht geschüttelt. Wie beim klassischen Negroni geht es darum, die Zutaten zu verbinden und zu kühlen, ohne Luft einzuschlagen. Ein geschüttelter Negroni wird trüb und schaumig, und beides gehört nicht in diesen Drink.
Ein Rührglas oder ein großes Glas mit Eis füllen. Dann 30 ml Gin, 30 ml Campari und 30 ml Schwarzes Gold dazugeben. Mit einem Barlöffel 20 bis 30 Sekunden gleichmäßig rühren. Das ist länger als beim Black Russian, weil hier drei Zutaten zusammenfinden müssen und der Campari etwas mehr Kühlung braucht, um seine Bitterkeit zu balancieren.
In ein vorgekühltes Tumblerglas mit einem großen Eiswürfel abseihen. Wer kein Barsieb hat, kann den Drink auch direkt im Tumbler bauen: Eis rein, alle drei Zutaten drüber, rühren. Das Ergebnis ist etwas weniger elegant, aber geschmacklich dasselbe.
Zum Schluss eine Orangenzeste übers Glas ausdrücken. Die ätherischen Öle aus der Schale legen sich auf die Oberfläche und bringen eine zitrusige Frische mit, die den Kaffee- und Bitternoten etwas entgegensetzt. Die Zeste dann ins Glas legen oder am Rand einklemmen. Manche Bars flambieren die Zeste kurz mit einem Feuerzeug, das karamellisiert die Öle und bringt eine rauchige Note dazu. Sieht gut aus, schmeckt leicht anders, ist aber kein Muss.
Im Glas sieht der Cold Brew Negroni dunkler aus als sein Vorbild. Statt des leuchtenden Rot-Orange vom klassischen Negroni hat man ein tiefes Bernstein mit rotbraunen Reflexen. Der erste Schluck ist bitter, dann kommt der Kaffee durch, dann der Gin mit seinen Kräuternoten, und ganz am Ende eine zurückhaltende Süße. Es ist ein Drink, der sich verändert, je länger das Eis schmilzt. Die ersten Schlucke sind intensiv und kantig, nach fünf Minuten wird er runder und zugänglicher.
Cold Brew Negroni
Gin, Campari und Coldbrew-Likör, gerührt. Ein Negroni mit Kaffee statt Wermut.
Zutaten
Zubereitung
- Rührglas oder großes Glas mit Eis füllen.
- Gin, Campari und Schwarzes Gold dazugeben.
- 20–30 Sekunden gleichmäßig mit dem Barlöffel rühren.
- In einen Tumbler mit großem Eiswürfel abseihen.
- Orangenzeste über dem Glas ausdrücken und ins Glas legen.
Was dazu passt
Der Cold Brew Negroni ist ein Aperitif, kein Dessertdrink. Er funktioniert vor dem Essen, nicht danach. Oliven, Grissini, eine Schale Marcona-Mandeln, vielleicht ein paar Scheiben Salami. Alles, was salzig und unkompliziert ist und nicht mit der Bitterkeit des Drinks konkurriert.
Wenn es etwas mehr sein darf: Ein Stück gereifter Parmesan mit einem Tropfen Honig. Die Umami-Noten vom Käse treffen auf die Röstnoten vom Kaffee, und der Honig bildet eine Brücke zur Süße im Likör. Klingt ungewöhnlich, funktioniert aber besser als die meisten klassischen Cocktailpairings.
Musik: Etwas Italienisches hat sich hier förmlich aufgedrängt, aber der Cold Brew Negroni ist eigentlich kein besonders italienischer Drink. as.if.radio passt, weil es die Entscheidung abnimmt und trotzdem nicht nach Hotellobby klingt.
Variationen
Espresso Negroni
Die schnellere, intensivere Version: Statt Coldbrew-Likör einen frischen Espresso-Shot direkt ins Rührglas, zusammen mit einer kleineren Menge Kaffeelikör. Der Espresso Negroni ist heißer, saurer und lauter als die Cold Brew Variante. Gut für Leute, die Subtilität für überbewertet halten.
Boulevardier
Der klassische Negroni mit Bourbon statt Gin. Wer die Idee mag, Campari mit einer dunklen Spirituose zu kombinieren, aber keinen Kaffee will, liegt hier richtig. Der Bourbon bringt Vanille und Karamell mit, die ähnlich gut gegen den Campari arbeiten wie Röstnoten.
Ohne Alkohol
Schwieriger als bei den meisten Drinks, weil die Bitterkeit das tragende Element ist. 30 ml alkoholfreier Campari-Ersatz (Crodino funktioniert bedingt), 30 ml starker Cold Brew und 30 ml Tonic mit wenig Zucker. Das Ergebnis ist nicht dasselbe, kommt aber in die Nähe der Grundidee: bitter, kalt, komplex.
Als Batch für Gäste
Gleiche Teile Gin, Campari und Schwarzes Gold in einer Flasche vormischen und kaltstellen. Hält sich im Kühlschrank eine Woche. Zum Servieren nur noch Eis ins Glas, 90 ml der Mischung drüber, Orangenzeste, fertig. In unseren Cocktailkursen zeigen wir, wie man solche Batches richtig ansetzt und welche Drinks sich dafür eignen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Cold Brew Negroni und einem normalen Negroni?
Beim klassischen Negroni kommt süßer Wermut rein, beim Cold Brew Negroni Kaffeelikör. Der Wermut bringt Kräuternoten mit, der Kaffeelikör Röstnoten. Beide spielen mit der Bitterkeit des Campari, aber auf komplett verschiedene Weise.
Kann ich jeden Kaffeelikör nehmen?
Technisch ja, aber die Balance ändert sich drastisch. Schwarzes Gold hat 13 g Zucker pro 100 ml, Kahlúa 44 g. Mit einem sehr süßen Likör wird der Campari überdeckt, und dann fehlt dem Drink die Kante, die ihn ausmacht. Bei einem süßen Likör den Anteil auf 20 ml reduzieren.
Muss ich ein Rührglas verwenden?
Nein. Man kann den Drink direkt im Tumbler bauen: Eis rein, alle drei Zutaten drüber, rühren, Orangenzeste dazu. Das Rührglas ergibt einen etwas klareren, eleganteren Drink, aber der Geschmack ist derselbe.
Ist der Cold Brew Negroni vegan?
Ja. Gin, Campari und Schwarzes Gold sind alle vegan. Schwarzes Gold seit der Rezepturanpassung Anfang 2026.
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