the.drop kw14 — RAYE ruft Al Green an, Robyn tanzt gegen die Angst, Snail Mail operiert sich frei
RAYE liefert mit Hans Zimmer und Al Green ein 73-Minuten-Epos, Robyn wird seltsam schön auf Sexistential, und Snail Mail kehrt mit neuer Stimme zurück. Plus: Flea spielt Jazz-Trompete.

Album der Woche
RAYE
This Music May Contain Hope
Pop Soul / Neo-Soul · Human Re Sources · VÖ: 27.03.
4.5
/5
Siebzehn Songs, vier Jahreszeiten, Hans Zimmer am Pult und Al Green am Mikrofon. RAYE liefert ihr zweites Album ab wie eine Frau, die niemandem mehr was beweisen muss.
Nach dem Debüt „My 21st Century Blues“, das RAYE nach Jahren in der Major-Maschinerie befreite, hätte der Nachfolger ein solider Zweitling werden können. Stattdessen: 73 Minuten, die sich anfühlen wie ein Film mit eigenem Score. Das London Symphony Orchestra eröffnet, Spoken Word zieht sich durch die ersten Tracks, dann kippt die Platte in Funk, R&B und Jazz-Pop. „Goodbye Henry“ mit Al Green klingt wie ein vergessenes Memphis-Duett aus den Siebzigern. „Click Clack Symphony“ lässt Zimmer machen, was Zimmer macht, ohne dass es nach Blockbuster-Kitsch schmeckt. Die Stimme trägt alles: schnelle Silben, die bei anderen Zungenbrechern wären, fließen bei RAYE wie selbstverständlich. Ab und zu wird es viel. Siebzehn Tracks sind siebzehn Tracks. Aber die Ambition ist echt.
Highlight
Goodbye Henry (feat. Al Green)
Für Fans von
Erykah Badu, Jessie Ware, Solange, Florence + The Machine
Robyn
Sexistential
Synth-Pop / Electronic · Konichiwa · VÖ: 27.03.
4.0
/5
Acht Jahre nach „Honey“ baut Robyn eine Platte, die gleichzeitig zarter und seltsamer klingt als alles davor. Synthpop, der sich traut, hässlich schön zu sein.
Robyn hat immer verstanden, dass Tanzmusik und Traurigkeit Geschwister sind. „Sexistential“ verschiebt diese Balance noch weiter. Die Synths pulsieren, aber sie leuchten weniger grell als auf „Body Talk“. Manches klingt bewusst schief, absichtlich klebrig. Themen wie Mutterschaft, Sexualität und Älterwerden ziehen sich durch die zwölf Tracks. Es gibt keine „Dancing On My Own“-Momente, und das ist der Punkt. Robyn mit Ende Vierzig hat kein Interesse an der perfekten Pop-Hymne. Sie will wissen, was nach dem Dancefloor kommt. Die Antwort ist ruhiger als erwartet, und gerade deshalb gut.
Highlight
Sexistential
Für Fans von
Fever Ray, The Knife, Lykke Li, Jessie Ware
Snail Mail
Ricochet
Indie Rock / Alt-Rock · Matador · VÖ: 27.03.
4.0
/5
Fünf Jahre nach „Valentine“ und einer Stimmband-OP kehrt Lindsey Jordan mit einem Album zurück, das erwachsener klingt, ohne die Kanten zu verlieren.
Die heisere Teenager-Stimme von „Lush“ ist weg. Nach einer Stimmband-Operation 2021 singt Jordan jetzt mit einem breiteren Register, weicher in den hohen Lagen, kontrollierter im Flüstern. Zusammen mit Momma-Bassist Aron Kobayashi Ritch hat sie elf Songs geschrieben, die zwischen 90er-Jangle-Pop, Shoegaze und Grunge pendeln. „Hell“ stellt die großen Fragen über Sterblichkeit und freien Willen, „Tractor Beam“ erinnert an The Sundays in ihren besten Momenten. Jordan fixiert sich auf den Tod und was danach kommt. Klingt schwer, ist es manchmal. Aber die Melodien tragen.
Highlight
Hell
Für Fans von
Japanese Breakfast, Big Thief, Soccer Mommy, The Sundays
Songs der Woche
Flea feat. Thom Yorke
Traffic Lights
Von: Honora · 27.03.
Flea spielt Trompete, Thom Yorke singt darüber, und es funktioniert. „Traffic Lights“ ist das Herzstück von Fleas Jazz-Soloalbum „Honora“: eine Kollision aus Avant-Rock und warmem Bläser-Jazz, die klingt, als hätten sich zwei Freunde in einem Aufnahmestudio eingeschlossen und erst aufgehört, als die Sonne aufging.
Pulp
Marrying For Love
B-Side / Digital-Single · 24.03.
Jarvis Cocker spricht die Hälfte des Songs, halb Rant, halb Liebeserklärung, über ein Lounge-Arrangement, das klingt wie eine BBC-Radiosendung um Mitternacht. War bisher nur als B-Side auf 12-Inch zu haben. Jetzt endlich digital, und der Song verliert nichts davon.
RAYE feat. Al Green
Goodbye Henry
Von: This Music May Contain Hope · 27.03.
Vintage Memphis R&B mit einer Stimme, die 2026 klingt. Al Green, mittlerweile 79, singt, als hätte er nie aufgehört. RAYE hält dagegen, und die beiden treffen sich irgendwo zwischen „Let’s Stay Together“ und etwas, das es noch nicht gab.
Radar
Flea — Honora
Jazz · Solo-Debüt · 27.03.
Der RHCP-Bassist legt die Bassgitarre beiseite und spielt Trompete. Mit Nick Cave, Thom Yorke und einer Funkadelic-Cover-Version, die „Maggot Brain“ für Bläser neu denkt.
Courtney Barnett — Creature of Habit
Indie Rock · Mom + Pop · 27.03.
Barnetts viertes Album klingt heller als die Vorgänger. Weniger Gitarrenlärm, mehr Selbstreflexion. Der Umzug von Melbourne nach L.A. hat Spuren hinterlassen.
The New Pornographers — The Former Site Of
Indie / Synthpop · Merge · 27.03.
Album Nummer zehn, und die Kanadier klingen plötzlich nach Synthpop. Weniger Power-Pop, mehr Melancholie. Wer nach dem alten Glanz sucht, muss genauer hinhören.
José González — Against the Dying of the Light
Folk / Indie · 27.03.
Sein fünftes Album, mit Wüsten-Blues-Einflüssen und Spuren von Tinariwen. González spendet 10% der Einnahmen an Poverty-Organisationen. Leise Platte, laute Haltung.
Cannons — Everything Glows
Synth-Pop · Columbia · 27.03.
Die L.A.-Band dreht am 80er-Regler. Elf Songs zwischen Herzschmerz und Neonlicht, die man am besten nachts auf der Autobahn hört.
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Flea feat. Thom Yorke — „Traffic Lights“
Jazz, der nicht nach Smooth Jazz klingt. Thom Yorkes Stimme über Fleas Trompete ergibt eine Kombination, die man nicht kommen sieht und nicht mehr vergisst. Passt in keine Playlist. Passt auf as.if.radio.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds






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