the.drop kw15 — Thundercat verliert sich, Arlo Parks tanzt weiter, Earl und MIKE teilen sich die Platte
Thundercat kehrt nach sechs Jahren mit „Distracted“ zurück — Greg Kurstin produziert, Mac Miller singt posthum. Arlo Parks wechselt auf die Tanzfläche, Earl Sweatshirt und MIKE liefern 33 Tracks auf einem Split-Album.

Sechs Jahre nach „It Is What It Is“ kehrt Stephen Bruner mit seinem fünften Album zurück. Diesmal hat er Greg Kurstin ins Studio geholt, und man hört es sofort.
„Distracted“ ist das Album, auf dem Thundercat aufhört, nur für Bassisten zu spielen. Kurstin gibt den Songs Struktur, ohne ihnen die Luft zu nehmen. „No More Lies“ mit Tame Impala ist der offensichtliche Hit, aber „She Knows Too Much“ mit einem posthumen Mac-Miller-Vers ist der Track, der bleibt. Flying Lotus und Kenny Beats tauchen als Co-Produzenten auf und liefern die Momente, in denen das Album am wildesten klingt. Was „Distracted“ von den Vorgängern unterscheidet: Thundercat singt hier über Ablenkung, Reizüberflutung und die Frage, ob man in einer Welt voller Bildschirme noch echte Verbindungen hinkriegt. Das klingt nach Konzeptalbum-Falle, funktioniert aber, weil die Musik nie predigt. Fünfzehn Tracks, kein einziger unter drei Minuten, und trotzdem kein Filler.
Highlight
She Knows Too Much (feat. Mac Miller)
Für Fans von
Flying Lotus, Anderson .Paak, Steve Lacy, Mac DeMarco
Arlo Parks
Ambiguous Desire
Alt-Pop / Indie-Dance · Transgressive · VÖ: 03.04.
4.0
/5
Arlo Parks’ drittes Album klingt, als hätte sie zwei Jahre New Yorker Nachtleben mitgenommen und in Songs verwandelt, die gleichzeitig tanzen und weinen wollen.
Die Richtungsänderung ist deutlich: Wo „My Soft Machine“ noch nach Schlafzimmer-Indie klang, zieht „Ambiguous Desire“ auf die Tanzfläche. Parks nennt LCD Soundsystem, Burial und Theo Parrish als Einflüsse, und man hört alle drei, ohne dass es nach Referenz-Bingo klingt. „Senses“ mit Sampha ist der Moment, in dem alles zusammenkommt. Die Produktion atmet, Parks’ Stimme sitzt tief im Beat, und Sampha macht das, was er am besten kann: den Song größer machen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Nicht jeder Track überzeugt gleich stark. „South Seconds“ verliert sich etwas in seiner eigenen Atmosphäre. Aber wenn Parks trifft, trifft sie präzise.
Highlight
Senses (feat. Sampha)
Für Fans von
Sampha, Jamie xx, Nilüfer Yanya, Clairo
Earl Sweatshirt, MIKE & SURF GANG
POMPEII // UTILITY
Abstract HipHop / Beats · 10k / Tan Cressida · VÖ: 03.04.
4.0
/5
33 Tracks, zwei Seiten, ein gemeinsames Universum: MIKE nimmt die erste Hälfte, Earl die zweite, Harrison von SURF GANG produziert fast alles.
Das Split-Album-Format ist ein Risiko bei 33 Tracks. Dass es funktioniert, liegt an der Arbeitsteilung: MIKEs „Pompeii“-Seite (15 Tracks) ist wärmer, offener, mit Momenten die fast nach Soul klingen. Earls „Utility“-Seite (18 Tracks) ist dichter, loop-basierter, Stimme tief im Mix wie gewohnt. Harrison hält alles zusammen, ohne es gleich klingen zu lassen. Die Vorab-Single „Earth“ hat schon in KW12 angedeutet, wohin die Reise geht. Das Album löst das Versprechen ein. Nicht jede der 33 Nummern ist unverzichtbar, aber die Dichte an guten Ideen pro Minute ist beeindruckend. Wer Geduld mitbringt, wird belohnt.
Highlight
Earth
Für Fans von
Madlib, billy woods, Navy Blue, Slauson Malone
Songs der Woche
Disclosure
The Sun Comes Up Tremendous
Erste Single 2026 · Island · VÖ: 30.03.
Howard Lawrence singt zum ersten Mal seit „Alchemy“ wieder selbst, und es klingt, als hätte er die ganze Zeit nur darauf gewartet. Disclosure zwischen Verletzlichkeit und Vier-Uhr-morgens-Euphorie. Der Clip, gedreht an der Küste von LA bei Sonnenuntergang, passt wie die Faust aufs Auge.
Thundercat feat. Tame Impala
No More Lies
Aus: Distracted · Brainfeeder · VÖ: 03.04.
Kevin Parker liefert die Gitarren, Thundercat den Bass und die Melodie. „No More Lies“ ist der zugänglichste Track auf „Distracted“ und trotzdem kein Kompromiss. Drei Minuten vierzig, jeder Takt sitzt.
Arlo Parks feat. Sampha
Senses
Aus: Ambiguous Desire · Transgressive · VÖ: 03.04.
Parks und Sampha gemeinsam auf einem Track. Sampha hält sich zurück, Parks führt. Die Produktion vibriert zwischen UK-Garage und Downtempo, und beide Stimmen finden ihren Platz, ohne sich zu suchen.
Radar
Bon Iver — Volumes: One
Indie / Live · Jagjaguwar
Der Anfang einer Archiv-Reihe nach dem Vorbild von Dylans Bootleg Series. Zehn Live-Aufnahmen aus den Jahren 2019 bis 2023, darunter eine Version von „Heavenly Father“ aus Mailand, die allein den Kauf rechtfertigt.
Nightmares On Wax — In A Space Outta Sound (20th Anniversary)
Downtempo / Dub · Warp
Das 2006er-Album remastered, plus eine komplette Dub-Version von Adrian Sherwood. „You Wish“ klingt nach zwanzig Jahren immer noch wie der perfekte Sonntagmorgen-Track.
Charley Crockett — Age of the Ram
Country / Outlaw · Island
Zwanzig Songs, co-produziert mit Shooter Jennings, das Finale der Sagebrush-Trilogie. Konzept-Country über einen Viehdieb im Wilden Westen. Klingt nach Willie Nelson mit Drehbuch.
A Place to Bury Strangers — Rare and Deadly
Noise-Rock / Shoegaze · Dedstrange
Raritäten-Sammlung: Demos, B-Sides und verschollene Sessions von 2015 bis 2025. Jedes Format hat eine eigene Tracklist. Die Band klingt auf unveröffentlichtem Material genauso kompromisslos wie auf den Studioalben.
Dermot Kennedy — The Weight of the Woods
Folk-Rock / Singer-Songwriter · Island
Kennedys dritte Platte. Weniger Stadion-Bombast als auf dem Vorgänger, dafür mehr Akustikgitarre und Raum. Ob das reicht, um die Folk-Puristen zu überzeugen, bleibt abzuwarten.
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Disclosure — „The Sun Comes Up Tremendous“
Howard singt selbst, die Produktion atmet, und der Track funktioniert um vier Uhr morgens genauso gut wie zum Frühstück. Läuft auf as.if.radio seit Mittwoch.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds






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