the.drop kw19 — Seefeel verschwinden im Nebel, American Football brechen auf, Bernarr dankt seinem Vater
Seefeel melden sich nach fünfzehn Jahren auf Warp zurück, American Football legen ihre emotionalste Platte vor, und Durand Bernarr verwandelt seinen Grammy-Schwung in siebzehn Tracks Funk und Selbstfindung.

Fünfzehn Jahre Funkstille, dann neun Tracks, die klingen wie Signale aus einem Nebel, den niemand bestellt hat. Sol.Hz ist Seefeels erstes Album seit 2011, wieder auf Warp, und es macht da weiter, wo die Band aufgehört hat: im Niemandsland zwischen Shoegaze, Dub und Ambient.
Mark Cliffords Arrangements wirken auf Zimmerlautstärke beinahe wolkig, harmlos. Aber über eine ordentliche Anlage entfaltet sich ein Unterdruck aus tiefen Bässen und geschickt platzierten Effekten, der die Wahrnehmung von Zeit und Raum verschiebt. Sarah Peacocks Stimme taucht als stark verfremdetes Element auf, menschlich genug, um den Tracks Wärme zu geben, bearbeitet genug, um nie greifbar zu werden. Das Eröffnungsstück Brazen Haze kriecht ins Ohr, baut sechzig Sekunden lang Spannung auf und bleibt dann drei Minuten in einer Schleife aus dreieckigen Wellenformen hängen, unter denen weißes Rauschen brennt. Sol.Hz will keine Songs bauen. Es will ein sich verschiebendes Feld aus Textur aufrechterhalten, in dem vertraute Orientierungspunkte sich auflösen, kaum dass sie aufgetaucht sind.
Highlight
Brazen Haze
Für Fans von
Boards of Canada, My Bloody Valentine, Burial, Autechre
American Football
American Football (LP4)
Polyvinyl
4
/5
Die Band, die Midwest Emo für eine ganze Generation definiert hat, klingt auf LP4 so groß und so verwundbar wie nie. Mike Kinsella schreibt über Scheidung, Sucht und Scham, und die Musik macht sich breit genug, um all das zu tragen.
LP4 ist das vierte selbstbetitelte Album und das mit Abstand persönlichste. Polyvinyl beschreibt die Platte als ungeschönt schwer: Suizid, Scham, Sucht und Wiedergeburt tauchen auf, manchmal im selben Song. Man Overboard eröffnet mit einem verschachtelten, fast proghaften Schlagzeugpattern und maritimer Isolation. No Feeling mit Turnstiles Brendan Yates lässt sich Zeit an jeder Schicht, baut emphatische Schweller auf und koppelt sie mit ätherischen Riffs. Bad Moons ist der längste Track, den die Band je aufgenommen hat. Wake Her Up bringt glitzernde Synth-Pop-Elemente rein, ohne dass es je nach Kalkül klingt. Im Ergebnis die stärkste Post-Reunion-Platte der Band.
Highlight
No Feeling (feat. Brendan Yates)
Für Fans von
The Notwist, Explosions in the Sky, Mogwai, Slint
Durand Bernarr
BERNARR
Create Music Group
4
/5
Drei Monate nach seinem Grammy für Best Progressive R&B Album (Bloom) legt Durand Bernarr siebzehn Tracks vor, benannt nach seinem Vater. BERNARR pendelt zwischen Funk, Yacht Rock, Therapiesitzung und Liebeserklärung.
River eröffnet mit der Zeile über seinen Vater und fließt in einen warmen Funk-Groove, der den Ton für die Platte setzt. HELLO! feiert zwanzig Jahre Musikkarriere und den Grammy-Sieg, ohne dass es prahlerisch wird. soft. mit Khalid ist einer der wenigen Momente, in denen Bernarr hörbar entspannt klingt. Die Produktion zieht Linien von Chaka Khan über Alternative Rock bis hin zu den Midnight-Special-Sessions der Siebziger. Nicht alles davon sitzt gleich fest, aber überraschend viel davon ist richtig gut. Bernarr hat eine Stimme, die jeden Stil ernst meint.
Highlight
River
Für Fans von
Thundercat, Anderson .Paak, Steve Lacy, D'Angelo
Songs der Woche
Madonna & Sabrina Carpenter
Bring Your Love
Vorab-Single von Confessions II · Warner Records
Madonna holt Sabrina Carpenter ins Studio und dreht die Uhr zurück auf Confessions on a Dance Floor. Bring Your Love ist ein Disco-House-Track mit Madonna auf der ersten Strophe und Carpenter auf der zweiten, geboren aus einem gemeinsamen Coachella-Auftritt im April. Der Song soll auf Confessions II erscheinen, dem Sequel zum 2005er-Klassiker. Ob die Platte das Niveau hält, wird sich zeigen, aber als Einzelstück funktioniert das hier: euphorisch, direkt, tanzbar.
Durand Bernarr
River
Von BERNARR · Create Music Group
Papa wasn't a rolling stone, but he taught me to move like water. Mit dieser Zeile stellt Bernarr den Kurs für sein viertes Album und gleichzeitig für den stärksten Song darauf. Ein Funk-Groove, der sich nicht beeilt, eine Stimme, die zwischen Verletzlichkeit und Selbstbewusstsein wechselt. River verdient es, einzeln gehört zu werden.
Ana Roxanne
Keepsake
Von Poem 1 · Kranky
Auf Poem 1, ihrem ersten Album seit sechs Jahren, legt Ana Roxanne die Effektketten beiseite und singt nackt über ein Klavier. Keepsake klingt, als säße sie allein in einer verlassenen Bar und inventarisiere ihre emotionalen Narben. Reduziert, verletzlich und kein bisschen selbstmitleidig. Einer der leisesten, aber nachhaltigsten Momente dieser Woche.
Radar
The Black Keys — Peaches!
Blues-Rock / Covers
Das vierzehnte Album, aber das erste reine Covers-Album. Entstanden während Auerbach seinen kranken Vater pflegte, live eingespielt, kaum Overdubs. Die rohste Platte, die die Band je gemacht hat.
Isaiah Rashad — It's Been Awful
Hip-Hop / Southern Rap
Fünf Jahre nach The House Is Burning kommt Rashads ehrlichste Platte. Sechzehn Songs über Rückfälle, Sucht und die Leute, die man dabei enttäuscht. SZA taucht auf und fragt: Ain't you tired?
Melanie C — Sweat
Dance-Pop / Electronic
Mel C tauscht den Pop gegen den Club und holt sich Robyns Produzenten Klas Åhlund ins Boot. Sweat klingt nach Costa Brava Raves und Neunziger-Euphorie, die noch nicht weiß, dass der Morgen kommt.
Maya Hawke — Maitreya Corso
Indie / Alt-Pop
Viertes Album, ihr bisher abenteuerlustiges. Devil You Know wechselt von Avant-R&B zu Gospel-Hymne. Die Ambition ist spürbar, die Umsetzung nicht immer auf der Höhe, aber wer sich drauf einlässt, findet einiges.
Hiss Golden Messenger — I'm People
Folk-Rock / Country-Rock
Erstes Album auf Chrysalis, eingespielt in einer umgebauten Kirche bei Woodstock. Bruce Hornsby, Marcus King und Sara Watkins sind dabei. Klingt nach warmem Analogfilm und den Siebzigern, die nie wirklich aufgehört haben.
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Seefeel — „Brazen Haze“
Der Opener von Sol.Hz kriecht langsam ins Bewusstsein, baut eine Minute lang Spannung auf und lässt dann dreieckige Wellenformen unter weißem Rauschen treiben. Perfekt für die späte Rotation.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds






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