the.drop kw21 — Morby verliert sich im Weiten, Rostam verschmilzt Welten, Tank and the Bangas lassen los
Kevin Morby hat acht Minuten lang nichts zu verlieren, Rostam verschmilzt Teheran mit Tennessee, und Tank and the Bangas lassen den letzten Ballon steigen. Dazu Jorja Smith mit einem Comeback-Statement und ein Radar voller Platten, die unter dem Mainstream-Radar fliegen.
Achtes Album, Aaron Dessner an den Reglern, Lucinda Williams und Justin Vernon als Gäste — und trotzdem klingt das hier mehr nach Morby als je zuvor.
Morby hat sich nach Los Angeles zurückgezogen, aber sein Kopf hängt noch im Mittleren Westen. Der Titeltrack läuft über acht Minuten, rollendes Banjo, Pedal Steel, Backing Vocals, die sich langsam aufbauen. Das klingt nicht nach Indulgenz, sondern nach einem Songwriter, der endlich den Raum hat, den seine Songs schon immer wollten. Dessners Produktion gibt den Stücken Weite ohne sie zu erdrücken. „Natural Disaster“ mit Lucinda Williams funktioniert, weil beide Sänger sich zurückhalten. Nicht jeder Track auf dem Album trägt das gleiche Gewicht, aber die Hälfte davon gehört zum Besten, was Morby je aufgenommen hat.
Highlight
Little Wide Open (Titeltrack)
Für Fans von
Bill Callahan, Adrianne Lenker, Angel Olsen, Kurt Vile
Rostam
American Stories
Indie / World / Matsor Projects · VÖ: 15.05.
4.0/5
Fünf Jahre nach Changephobia nimmt der ehemalige Vampire-Weekend-Kopf seinen Saz in die Hand und fährt quer durch ein Amerika, das auf keiner Postkarte steht.
Rostam Batmanglij hat iranische Wurzeln und ist in Washington D.C. aufgewachsen. Auf American Stories bringt er mikrotonale Saz-Melodien und Country-Slide-Guitar in denselben Song, ohne dass es nach Weltmusik-Seminar klingt. Die Produktion ist dicht, aber nie überladen. Rolling Stone nennt das Album ambitioniert und gleichzeitig bodenständig, und das trifft es gut. Nicht jede Kreuzung funktioniert gleich stark, aber wenn er den richtigen Punkt trifft, entsteht ein Sound, den so niemand sonst gerade macht.
Die Ballon-Trilogie findet ihren Abschluss. Nach Green und Red Balloon kommt der letzte: kein Farbspiel mehr, sondern Loslassen.
Tarriona Ball und ihre Band aus New Orleans haben sich mit zwei Alben einen Namen gemacht, der irgendwo zwischen Spoken Word, Brass Band und R&B steht. The Last Balloon klingt wie ein Siegeszug, der wissen will, wo der Ausgang ist. Lucky Daye, Ledisi und Dawn Richard tauchen als Gäste auf, aber Ball bleibt die Hauptfigur. Die Produktion wechselt zwischen Funk-Bläsern und introspektiven Momenten, und das Album verliert sich nie im eigenen Spektakel. Ein Abschluss, der nach vorne schaut.
Highlight
Move (feat. Lucky Daye)
Für Fans von
Anderson .Paak, Lianne La Havas, Janelle Monáe, The Roots
Songs der Woche
Jorja Smith
What’s Done Is Done
Single · FAMM · VÖ: 15.05.
Zehn Jahre nach Blue Lights eröffnet Jorja Smith ein neues Kapitel. Maverick Sabre hat mitgeschrieben, P2J hat produziert, und das Ergebnis ist ruhiger und direkter als alles, was sie auf Falling or Flying gemacht hat. Kein Feature, kein Gästeblock, nur ihre Stimme und ein Beat, der sich Zeit lässt.
Kevin Morby
Little Wide Open
Von: Little Wide Open · Dead Oceans · VÖ: 15.05.
Acht Minuten, in denen Morby sich gleichzeitig in der Weite des Mittleren Westens verliert und daraus fliehen will. Banjo, Pedal Steel, Backing Vocals schichten sich auf, und trotzdem bleibt Luft. Vielleicht sein bester Song.
Tank and the Bangas feat. Lucky Daye
Move
Von: The Last Balloon · Verve Forecast · VÖ: 15.05.
Die Lead-Single der Balloon-Trilogie-Finales. Lucky Daye bringt seine Falsett-Hooks mit, Ball kontert mit Spoken Word, und die Brass Section hält alles zusammen. Ein Song, der morgens um drei im Kreisverkehr genauso funktioniert wie auf der Tanzfläche.
Radar
Dua Saleh — Of Earth & Wires
Indie / R&B / Electronic
Sudanesische Wurzeln, UK-Dance-Fragmente, Bon Iver auf drei Tracks. Dua Saleh verhandelt KI, Klima und Identität, ohne je auf Podium-Ton zu verfallen.
★★★★
Giveon — Beloved Act II
R&B / Soul
Der zweite Teil von 2025er Beloved. Giveons Bass-Bariton über gedämpfter Produktion. Features mit Teddy Swims und Sasha Keable setzen Akzente.
★★★½
Crown Lands — Apocalypse
Prog-Rock
Kanadisches Duo, sieben Tracks, alle über fünf Minuten. Wer Rush vermisst und mit Vintage-Synths klarkommt, ist hier richtig.
★★★½
All-American Rejects — Sandbox
Pop-Punk / Alt-Rock
Vierzehn Jahre Pause, erstes Independent-Release. Schrubbeliger als erwartet, emotionaler auch. Sandbox will nicht 2005 sein, aber lässt es manchmal zu.
★★★½
Kenny Mason — Bulldawg
Grunge-Rap / Alt-HipHop
Atlantas Genre-Hybrid zwischen Punk, Rap und Indie. Das Dominic-Fike-Feature auf Find God zeigt, wie weit sich Mason vom Südstaaten-Trap entfernt hat.
★★★½
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Jorja Smith — „What’s Done Is Done“
Jorja Smiths neue Single läuft ab sofort auf as.if.radio. Zehn Jahre nach ihrem Durchbruch klingt sie fokussierter denn je. Der Track passt in jede Tageszeit und bleibt trotzdem hängen.
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