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the.drop kw22 — O'Brien legt das Alias ab, Bleachers trauern gemeinsam, aja monet bringt den Raum zum Schweigen

Ed O'Brien liefert unter eigenem Namen sein bestes Soloalbum. Bleachers verpacken Trauer in Gruppentherapie. aja monet macht Spoken Word, das nach Jazz klingt. Dazu: Vince Staples, JPEGMAFIA, Visible Cloaks.

Ed O'Brien — Blue Morpho
Ed O'Brien — Blue Morpho

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Album der Woche

Ed O’Brien

Blue Morpho
Art-Rock / Electronic · Transgressive · VÖ: 22.05.
4.5 /5
Ed O’Brien hat das EOB-Alias abgelegt. Sein zweites Soloalbum ist persönlicher, dunkler und besser als alles, was Radiohead in den letzten zehn Jahren gemacht haben.
„Earth“ von 2020 war ein Versuch, brasilianische Rhythmen und Gitarrenwände zusammenzubringen. „Blue Morpho“ macht etwas anderes: O’Brien nimmt sich zurück und lässt den Raum arbeiten. Paul Epworth hat das Album produziert, aufgenommen wurde zwischen O’Briens Studio in Wales und einer zweihundert Jahre alten Londoner Kirche. Shabaka Hutchings spielt Saxophone und Klarinette, Radioheads Philip Selway sitzt an den Drums, Dave Okumu liefert Gitarrenarbeit auf einem Niveau, das die Songs trägt ohne sie zu erdrücken. Was das Album von seinem Vorgänger unterscheidet: es versucht nicht, alles gleichzeitig zu sein. „Blue Morpho“ ist benannt nach dem brasilianischen Schmetterling, und die Platte bewegt sich genau so — schimmernd, fragil, nie ganz greifbar. Wer Radioheads Texturarbeit vermisst hat, wird hier fündig.
Highlight
Titeltrack — Blue Morpho
Für Fans von
Radiohead, Thom Yorke, Portishead, Talk Talk

Bleachers

everyone for ten minutes
Indie-Pop / Synth-Rock · Dirty Hit · VÖ: 22.05.
4.0 /5
Jack Antonoff macht das fünfte Bleachers-Album und klingt dabei zum ersten Mal verletzlich statt clever.
Antonoff produziert seit Jahren für Taylor Swift, Lana Del Rey, Sabrina Carpenter. Bei Bleachers ist er der Typ, der selbst singt, und das merkt man. „everyone for ten minutes“ ist sein persönlichstes Album: Ehe, Trauer, das Gefühl, in einer Gruppe aufzugehen und sich gleichzeitig allein zu fühlen. „sideways“ und „the van“ eröffnen mit Saxophon und Synths, die an Springsteens „Tunnel of Love“-Phase erinnern. Was das Album von seinen Vorgängern abhebt, ist die Zurückhaltung. Antonoff verzichtet auf den Wall-of-Sound-Reflex und lässt Stücke wie „the van“ mit Akustikgitarre und Stimme auskommen. Nicht jeder Song sitzt, im Mittelteil gibt es zwei, drei Tracks, die mehr Gerüst als Gebäude sind. Aber wenn es funktioniert, ist das der ehrlichste Antonoff seit langem.
Highlight
the van
Für Fans von
Vampire Weekend, The War on Drugs, The National, Bon Iver

aja monet

the color of rain
Spoken Word / Jazz / Blues · Sub Pop · VÖ: 22.05.
4.0 /5
Nach einem Grammy-nominierten Debüt wird aja monets zweites Album dringlicher, lauter und politisch schärfer.
aja monet gewann 2007 den Grand Slam am Nuyorican Poets Café. Ihr Debüt „when the poems do what they do“ wurde für den Grammy als bestes Spoken-Word-Album nominiert. „the color of rain“ geht weiter: Meshell Ndegeocello und Georgia Anne Muldrow sind als Features an Bord, die Produktion bewegt sich zwischen Jazz-Trio-Intimität und elektronischen Flächen. monet spricht über Faschismus, Krieg und Medien, aber nie predigend. Die Stärke liegt darin, dass die Musik nie Illustration ist. Bass und Cello tragen, was die Worte nicht sagen. Das Ergebnis ist ein Album, das Aufmerksamkeit verlangt und belohnt.
Highlight
elsewhere (feat. Meshell Ndegeocello & Georgia Anne Muldrow)
Für Fans von
Moor Mother, Saul Williams, Sampa the Great, Kate Tempest
Songs der Woche
Vince Staples
White Flag
Vorab-Single aus: Cry Baby · Loma Vista · Album: 05.06.
Motown-Drums, eine Basslinie wie aus einem Blaxploitation-Soundtrack und darüber Staples, der über Polizeigewalt und systemischen Rassismus rappt, ohne die Stimme zu heben. Das Video zeigt ihn, wie er eine amerikanische Flagge weiß anstreicht und dann durchlöchert. In 2:50 mehr Substanz als in den meisten Alben dieser Woche.
Topaz Jones feat. Mick Jenkins
11:49
Single · New Funk Academy · VÖ: 22.05.
Jones und Jenkins über einem Beat, der nach mitternächtlichem Public Access TV klingt. Warme Keys, ein Sample, das sich nie ganz auflöst, und zwei MCs, die sich gegenseitig Raum lassen. Topaz Jones bleibt einer der am meisten unterschätzten Acts im Grenzgebiet zwischen Rap und Soul.
Adrian Younge
Feel the High Life
Single · Linear Labs · VÖ: 22.05.
Younge bleibt sich treu: orchestraler Soul mit Streichern, die klingen, als hätte David Axelrod sie arrangiert. „Feel the High Life“ groovt entspannter als das Material auf „Younge“, dafür sitzt die Hookline besser. Ein Track, der nach Sonntagmorgen und offenen Fenstern klingt.
Radar
Visible Cloaks — Paradessence
Ambient / Electronic
Spencer Doran und Ryan Carlile aus Portland legen ihr drittes Album vor. Vierzehn Stücke zwischen Kammermusik und digitaler Verfremdung, mit Beiträgen von Félicia Atkinson und einem Ensemble selbstspielender Instrumente. Klingt genau so faszinierend, wie es sich liest.
★★★★
JPEGMAFIA — EXPERIMENTAL RAP
Experimental Hip-Hop
25 Tracks, Gospel-Samples, verzerrte Gitarren und ein Instagram-Beef mit Earl Sweatshirt als Promo-Strategie. Peggy dreht den Chaos-Regler auf Maximum. Nicht alles funktioniert, aber was funktioniert, funktioniert besser als bei den meisten.
★★★★
Duval Timothy & Carlos Niño — rain music
Jazz / Ambient
Prepared Piano aus London trifft Perkussion aus L.A. Mit Laraaji und Navy Blue als Gästen. Acht Stücke, die nach Regen klingen, weil sie bei Regen entstanden sind.
★★★½
Mabe Fratti & Bill Orcutt — Almost Waking
Chamber-Folk / Experimental
Cello und Gitarre, per Dateitausch zwischen Mexiko und den USA aufgenommen. Acht Stücke, die klingen, als würden sich zwei Musiker im Traum begegnen. Zerbrechlich und erstaunlich warm.
★★★★
6LACK — Love Is The New Gangsta
Alt-R&B
Drei Jahre Pause, dann das hier: ein Album über Verletzlichkeit als Stärke. 6LACK rappt und singt über Trauer, Ehe und Gemeinschaft. „Wifey Baby Mama“ ist der extravaganteste Liebestrack seiner Karriere.
★★★½
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Topaz Jones feat. Mick Jenkins — „11:49“
Warme Keys, ein Loop, der sich nie auflöst, und zwei Stimmen, die einander Raum geben. Läuft seit dieser Woche auf as.if.radio.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds
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