the.drop kw23 — Boards of Canada zünden an, KÁRYYN löst sich auf, Grohl erbt den Fuzz
Dreizehn Jahre Funkstille, dann ein Inferno. Boards of Canada kommen mit ihrem fünften Album zurück, KÁRYYN zerlegt auf Mute die Physik der Liebe, und Violet Grohl löst sich auf ihrem Debüt vom längsten Schatten der Rockgeschichte.

Dreizehn Jahre zwischen Tomorrow's Harvest und hier. Boards of Canada melden sich mit einem Album zurück, das nach Untergang klingt und trotzdem Licht findet.
Die ersten Takte von „Prophecy at 1420 MHz“ sind reines Boards-of-Canada-Vokabular: Synthesizer, die klingen, als hätte man sie aus einem VHS-Band extrahiert, Drum-Patterns mit dem Timing einer defekten Uhr. Aber „Inferno“ geht weiter als alles zuvor. Die Live-Instrumente sind neu — Gitarren tauchen auf wie in „The Campfire Headphase“, nur dunkler, verdrehter. „Father and Son“ baut ein ganzes religiöses Drama in dreieinhalb Minuten, „Blood in the Labyrinth“ mischt asiatische Skalen in den Loop-Kosmos. Am Ende steht „You Retreat in Time and Space“ mit einer dieser Boards-of-Canada-Melodien, die man nicht mehr loswird. Nicht alles auf den 18 Tracks trägt gleich schwer, aber wenn dieses Album trifft, trifft es präzise.
Highlight
You Retreat in Time and Space
Für Fans von
Aphex Twin, Tim Hecker, Fennesz, Oneohtrix Point Never
KÁRYYN
Physics Universal Love Language (PULL)
Art-Pop / Electronic · Mute · VÖ: 29.05.
4.0
/5
Syrisch-armenisch-amerikanisch, Mute Records, 432-Hz-Tuning, modulare Synthesizer und Streicher — KÁRYYN macht es einem nicht leicht. Muss sie auch nicht.
Sieben Jahre nach „The Quanta Series“ ist KÁRYYN zurück mit einem Album, das sich um eine einzige Frage dreht: Was hat die Form eines Herzens, das nicht loslassen kann? Die Antwort klingt nach Strings, modularer Synthese und einer Stimme, die permanent am Rand der Tränen steht. „Collapse Phase“ eröffnet mit einer Wucht, die man von Mute Records kennt. „End To Knowing You“ ist der ruhigste Moment des Albums und gleichzeitig der stärkste. Die armenischen und nahöstlichen Einflüsse in den Streicharrangements geben dem Ganzen eine Tiefe, die reine Elektronik selten erreicht.
Highlight
End To Knowing You
Für Fans von
FKA twigs, Arca, Holly Herndon, Sevdaliza
Violet Grohl
Be Sweet to Me
Grunge / Shoegaze · Auroura / Republic · VÖ: 29.05.
4.0
/5
Der längste Schatten der Rockgeschichte und ein Debüt, das sich nicht dafür interessiert.
Violet Grohl ist Dave Grohls Tochter, aber „Be Sweet to Me“ klingt nicht nach Foo Fighters. Es klingt nach 1994 — Fuzz-Gitarren, Shoegaze-Flächen, Songstrukturen, die sich zwischen Melodie und Lärm nicht entscheiden wollen. Produzent Justin Raisen hat den Sweet Spot gefunden: roh genug, um glaubwürdig zu sein, poliert genug, um im Ohr zu bleiben. „THUM“ war die erste Single und funktioniert als Visitenkarte, aber „Pool of My Dreams“ und „Big Memory“ sind die Tracks, die das Album tragen. Man hört die 90er überall, aber nie als Zitat.
Highlight
Pool of My Dreams
Für Fans von
Mazzy Star, Slowdive, Hole, The Breeders
Songs der Woche
Charli XCX
SS26
Dritte Single vom kommenden Album · Atlantic · VÖ: 21.05.
Charli XCX hat „brat“ hinter sich gelassen, und „SS26“ macht klar, wohin die Reise geht. Ein Track, der nach Laufsteg und Resignation klingt — dunkel, langsam, mit einer Zeile über die Sinnlosigkeit von Musik, Mode und Film, die man von Pop-Stars selten hört. A.G. Cook produziert, Finn Keane schreibt mit. Das Ergebnis ist das Düsterste seit „How I’m Feeling Now“.
Wild Pink
Round of Applause at the End of the World
Lead-Single aus: Still Coming Down · Fire Talk · Album: 21.08.
Wild Pink kündigen ihr neues Album „Still Coming Down“ an, und die erste Single setzt den Ton: verzerrte Gitarren, ein Erzähler zwischen Paranoia und Geschichtsstunde, dazu Springsteen-Dynamik ohne Springsteen-Pathos. John Ross singt über Attentate, Verschwörungen und das Gefühl, dass Spaß nicht mehr existiert. Fire Talk hat hier was in der Pipeline.
Boards of Canada
You Retreat in Time and Space
Von Inferno · Warp · VÖ: 29.05.
Der vorletzte Track auf „Inferno“ und der Moment, in dem alles zusammenläuft. Eine kaskadierende Melodie, purer Sonnenschein nach 65 Minuten Dunkelheit. Der Track, den man Leuten vorspielt, die noch nie Boards of Canada gehört haben.
Radar
The Bug Club — Every Single Muscle
Garage-Punk · Sub Pop
Fünftes Album in drei Jahren, diesmal näher am Punk als am Garage-Rock. Sam Willmett und Tilly Harris rasen in unter zwei Minuten pro Track durch ein Album über den menschlichen Körper. Ihr straffster und lautester Release.
Guided By Voices — Crawlspace of the Pantheon
Indie-Rock
Album Nummer 43. Robert Pollard hat nach eigener Aussage mehr an den Texten gearbeitet als sonst. Zwölf Tracks, tight gespielt — wenn man nur eins pro Jahr hört, sollte es dieses sein.
Devin Townsend — The Moth
Progressive Metal / Orchestral
Zehn Jahre in der Produktion, mit dem North Netherlands Orchestra und Steve Vai eingespielt. Townsend nennt es das wichtigste Werk seines Lebens. Wer Prog-Metal-Epen verträgt, bekommt hier das volle Programm.
Paul McCartney — The Boys of Dungeon Lane
Rock / Pop · Capitol
Studioalbum Nummer 27. McCartneys erstes seit „McCartney III“ (2020), und wie immer die Frage: braucht die Welt noch ein McCartney-Album? Ja, solange Tracks wie die vorab veröffentlichten Singles funktionieren.
Dogstar — All In Now
Rock · Dine Alone
Keanu Reeves’ Band ist zurück, sechs Jahre nach der Reunion. Viertes Album, solide gemacht, und ja: er spielt tatsächlich Bass. Für Fans von 90er-Alternative, die auch den Schauspieler mögen.
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Boards of Canada — „Into the Magic Land“
Vier Minuten Boards of Canada, die klingen wie ein Sonnenaufgang nach 13 Jahren Nacht. Läuft auf as.if.radio seit Donnerstag.
the.drop — wöchentlich auf as.if.records/sounds






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