the.drop kw27 — Madonna tanzt wieder, Ibeyi beschwören, Gold Panda hämmert
KW27. Madonna holt Stuart Price zurück ins Studio und macht 63 Minuten ununterbrochene Club-Musik — ihr bestes Album seit zwei Jahrzehnten. Dazu zwei Nachzügler der Vorwoche: Ibeyi verbinden Yoruba-Gesänge mit Bass-Elektronik, Gold Panda hämmert zehn Tracks bei 140 BPM und nennt es House.
21 Jahre nach dem Original holt Madonna Stuart Price zurück und baut eine 63-Minuten-DJ-Set-Platte, die sich mehr nach Detroit anfühlt als nach Studio 54.
„I Feel So Free“ eröffnet mit einem Lil-Louis-Sample aus „French Kiss“, und ab da wird nicht mehr gebremst. 17 Tracks, nahtlos gemischt, keine Pause. Price und Madonna haben den Disco-House von 2005 gegen die kantigeren Beats von Chicago und Detroit getauscht. Das Ergebnis ist dichter, dunkler, erwachsener. „Danceteria“ verneigt sich vor dem New Yorker Club, in dem alles anfing, inklusive Namens-Check für DJ Mark Kamins. „Everything“ hämmert, „My Sins Are My Savior“ mit Stromae zitiert „Bedtime Story“, und über allem liegt diese Spoken-Word-Atmosphäre, die an „Erotica“ erinnert. Am Ende bricht Madonna den Fluss bewusst auf: „Fragile“ ist eine Rave-Ballade für ihren verstorbenen Bruder Christopher, „The Test“ ein Trip-Hop-Duett mit Tochter Lola Leon. Nicht alles zündet — „School“ bleibt ein Fremdkörper. Aber wenn Madonna mit 67 ein Album abliefert, das relevanter klingt als alles seit dem Original, dann hat sie ihren Punkt gemacht.
Highlight
Danceteria
Für Fans von
Daft Punk, Róisín Murphy, Jessie Ware
Ibeyi
Offering
World / Soul · IBEYI Records / AWAL · VÖ: 26.06.
4.0/5
Die Díaz-Zwillinge aus Paris verbinden Yoruba-Traditionen mit elektronischer Produktion und machen ein Album, das nach Zeremonie klingt und nach Club. Nachzügler der Vorwoche.
Lisa-Kaindé und Naomi Díaz haben auf ihrem dritten Album den Spagat geschafft, an dem viele scheitern: spirituelle Tiefe ohne Esoterik-Kitsch. Die Yoruba-Gesänge ihrer kubanischen Wurzeln treffen auf Londoner Bass-Produktion und französische Chanson-Melodien. „Moshpit“ heißt tatsächlich so und hält das Versprechen. „La tendresse d’un mot“ ist das Gegenteil: leise, zerbrechlich, ein Song der den Raum füllt, indem er ihn leer lässt. Zwölf Tracks, keiner überflüssig.
Highlight
Moshpit
Für Fans von
Rosalía, Sade, Malia
Gold Panda
Ton Up
House / Electronic · Studio Barnhus · VÖ: 26.06.
4.0/5
Der Mann aus Chelmsford macht seit 15 Jahren Musik zwischen Ambient und Dancefloor. Auf „Ton Up“ entscheidet er sich für die Tanzfläche. Nachzügler der Vorwoche.
Gold Panda hat sich lange hinter Samples und Field Recordings versteckt. „Ton Up“ ist das direkteste, was er je gemacht hat: zehn Tracks, die bei knapp 140 BPM hämmern, erschienen auf Studio Barnhus. Die Percussion ist roh, die Synths sind analog, und über allem liegt dieser Staub, der seine Musik schon immer von der glattpolierten Club-Welt unterschieden hat. „Wakō Heights“ baut einen Groove auf, der sich anfühlt wie ein Loop, der nicht aufhören will. „Cut Funk“ macht genau das, was der Name sagt. Wer Gold Panda nur von „Lucky Shiner“ kennt, wird sich die Augen reiben.
Highlight
Wakō Heights
Für Fans von
Four Tet, Floating Points, DJ Koze
Songs der Woche
Solomun & Skrillex
Rumpta
Single · Diynamic · VÖ: 03.07.
Die erste Zusammenarbeit von Solomun und Skrillex, und sie klingt genau wie man erwartet: House-Groove aus der Solomun-Schule, darüber Skrillex-Produktion, die sich zurücknimmt statt zu eskalieren. Der Track baut langsam, die Drums sind trocken, die Bassline rollt. Skrillex war mit „Soma“ im Radar von KW24 — hier zeigt er die andere Seite.
Snow Patrol & Kylie Minogue
These Alarms
Single · BMG · VÖ: 03.07.
Snow Patrol und Kylie Minogue in einem Satz — klingt nach Stadion-Pop der schlimmsten Sorte. Ist es nicht. Gary Lightbody hat den Song ursprünglich „Kylie“ betitelt, bevor er sie tatsächlich gefragt hat. Ihr Beitrag hebt den Track: eine Stimme, die jede Melodie veredelt, ohne sie zu erdrücken.
Thee Sacred Souls & Victor Axelrod
Waiting On The Right Time
Single · Daptone DAP1167 · VÖ: 03.07.
Daptone Records macht weiter das, was Daptone Records am besten kann: Musik, die klingt als wäre sie in einem Keller in Kingston aufgenommen worden. Thee Sacred Souls und Victor Axelrod mischen Reggae mit Northern Soul, und der Song rollt so selbstverständlich, dass man vergisst, dass er 2026 entstanden ist.
Radar
Madeon — Victory
Electronic / Electro-Pop · Mom+Pop
Madeons drittes Album nach fünf Jahren Stille. Zehn Tracks zwischen euphorischem Electro-Pop und nachdenklicheren Momenten. „Car Crash Baby“ ist der Opener, der sofort sitzt.
3.5
Muse — The Wow! Signal
Alt-Rock · Warner Records
Zehntes Album, gemischte Reaktionen. „Nightshift Superstar“ war schon in KW24 als Single hier, das Album drum herum schwankt zwischen Prog-Bombast und überraschend zurückgenommenen Passagen wie „Be With You“.
3.0
Temples — Bliss
Psych-Rock / Electronic · V2 Records
Die Psych-Rock-Band aus Kettering dreht den Regler Richtung Elektronik. Die Kritiken sind gespalten, aber wer Temples seit „Sun Structures“ verfolgt, findet hier genug Grund zum Bleiben.
3.0
Downtown Boys — Public Luxury
Post-Punk · Sub Pop
Post-Punk aus Providence auf Sub Pop. Politisch, laut und nicht daran interessiert, es allen recht zu machen. Wer Parquet Courts mag, sollte reinhören.
3.5
as.if.radio
Neu auf as.if.radio
Madonna — „Fragile“
Eine Rave-Ballade über ihren verstorbenen Bruder Christopher. Der emotionalste Moment auf „Confessions II“, und genau der richtige Track für die Rotation.
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